Porzellanmalerei in Blau-Weiss
BLAU-WEISS-MALEREI

Porzellanmalerei – kostbare Kunstwerke in Kobaltblau

Traditionelle Dekore der Porzellanmalerei in Kobaltblau erleben neu interpretiert eine Renaissance auf Tisch und Tafel. Als geachtete Handwerkskunst ist das Malen mit Pinsel und Farbe die hochwertigste Form der Dekoraufbringung.

Porzellanmalerei mit Farbe in Kobaltblau hat eine ausserordentlich lange Tradition und hat, wie die Herstellung von Porzellan überhaupt, seinen Ursprung in China. Blau war in der gesamten alten Welt eine der begehrtesten Farben, einerseits, weil sie so rar und teuer war, und andererseits wegen ihrer faszinierenden Wirkung. Blau galt als Synonym für Himmel und Meer, deren Betrachtung sich mit Sehnsucht und Ehrfurcht verband und somit auch immer für etwas Unerreichtes, Unbezwingbares und Machtvolles stand.

Kobaltblau –Vom Abfallprodukt zur kostbaren Fracht

Blaue Farbe gewannen bereits die Ägypter, indem sie Lapislazuli verrieben und für Malereien und Schminke verwendeten. In Indien wurde aus Färberpflanzen Indigo hergestellt und zum Färben von Textilien genutzt. Grundlage für Blau als Porzellanfarbe war Kobalt, ein Bodenschatz, der zumindest in Europa über lange Zeit jämmerlich verkannt wurde. Bergmänner schauten nach allem, was glänzte, suchten nach Gold und Silber. Erze, die sich nicht verarbeiten liessen und beim Erhitzen zum Himmel stanken, bekamen Spottnamen wie zum Beispiel Kobalt, denn es galt als sicher, Kobolde hätten wertvolles Silber gefressen und in minderwertiges, hässliches Kobalt verwandelt. Erst im 13. Jahrhundert gelangte in China die blau-weisse Porzellanmalerei zur Blüte. Enorme Vorkommen von «Su-Ni-Po», chinesisch für Kobaltoxiderde, stellte den Rohstoff für die kobaltblaue Farbe. Und anders als die Europäer waren die Chinesen zu dieser Zeit bereits in der Lage, «Su-Ni-Po» zu gewinnen und zu verarbeiten.

Meissner Zwiebelmuster: Anfänge der Porzellanmalerei

Entdecker und furchtlose Weltumsegler brachten das erste Porzellan nach Europa. Es wurde unglaublich bestaunt, und sein Kurs sprang von null auf unendlich. Weil Porzellan wertvoller als Gold war, war man auch verlockt, es selber herzustellen, sich quasi eine eigene Gelddruckmaschine in den Keller zu quacksalbern. Und als zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus Alchemie mehr oder weniger Chemie wurde, gelang es auch den Europäern, Porzellan herzustellen. Ob in Meissen, Delft oder Kopenhagen – aller Anfang war mit Kobaltblau verbunden, denn das Spektrum der Porzellanfarben, die die enormen Brenntemperaturen überstanden, war noch klein. Die Europäer waren fasziniert von den exotischen Dekoren mit Drachen, Fischen und Vögeln, Blüten und Früchten, die – unbekannt und nie gesehen – Inbegriffe von absolut Begehrenswertem waren. Es wurde begonnen, die Dekore zu imitieren und so zu tun, als seien es asiatische Muster. Bei einem heute weltbekannten Dekor war es beispielsweise Absicht, Granatäpfel und deren Blüten zu malen. Doch weil kaum einer die Früchte je gesehen hatte, kommentierten die Leute: «sieht aus wie Zwiebeln». Das berühmte Meissner Zwiebelmuster erhielt so seinen Namen.

Porzellanmalerei als Zierde und Zeitgeist

Wie Architektur, Kunst und eben auch Gebrauchsgegenstände den Zeitgeist einer Epoche widerspiegeln können, lassen sich sogar in der Porzellanmalerei etliche designrelevante Beispiele finden. Und haftet dem Blau-Weissen für heutige Geschmäcker ein wenig zu viel Tradition an, befassen sich doch ausgerechnet eine Handvoll der angesagtesten Designer mit genau diesem Fakt. Das Malen mit Pinsel und Farbe ist die hochwertigste Form der Dekoraufbringung, doch das Verzieren mit Abziehbildern und Tampondruck sorgt heute für eine unendliche Flut an Tellern und Tassen in Kobaltblau, die günstig bis billig den Markt überschwemmen und allen Porzellanherstellern Knacknüsse in die Marketingabteilungen servieren. Auch in Asien machte indes die Art und Weise der Porzellanmalerei einen enormen Quantensprung. Die Heimat des Zierrats setzt, wie die Europäer, einerseits auf die «Verwertung» eines jahrhundertealten Fundus an Gestaltungsvorlagen. Andererseits wagen sich junge Designer an das traditionsbeladene Medium Porzellan.

Text: Antje Herrmann, aus: Das ideale Heim, 2014 / Titelbid: Paul Atkinson, Hemera, Thinkstock

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