Entrümpeln und unnötigen Ballast loswerden
WEG DAMIT

Platz für Neues Schaffen

Wer Ordnung in Schränken und Regalen schafft, sorgt auch für Klarheit im Kopf. Entrümpeln ist immer befreiend.

Man wollte sich eigentlich nur einen neuen Kochtopf besorgen und verbringt dann doch den ganzen Nachmittag damit in der Stadt zu bummeln. Die Ausbeute? Neue Bettwäsche, Duftkerzen und ein schönes Teeservice. Der richtige Topf war leider nicht im Angebot. Dafür wartet die Bettwäsche im Schrank nun auf ihren Einsatz, die Kerzen machen sich auch auf dem Beistelltisch – neben der Obstschale und der Blumenvase – wunderbar und das neue Geschirr gehört natürlich in den Küchenschrank. Kein Platz? Kein Problem. In der Abstellkammer, neben den liebgemeinten Geschenken von Verwandten, kann man bestimmt noch etwas verstauen.

«Ich fühle mich nicht mehr wohl, in meinem eigenen Zuhause!» Hilfeschreie, die Constanze Köpp, Autorin des Buches «Aufgeräumt leben – Warum weniger Haben mehr Sein ist», oft hört. Meistens sind die Kunden des Wohncoachs ratlos, warum sie das eigene Heim nicht mehr mögen. Man hat doch alles – und das sogar in doppelter Ausführung! Doch der harmlos angesammelte Ramsch sorgt nicht immer für ein gemütliches Ambiente. Ganz im Gegenteil. Er braucht Platz und nimmt Luft zum Atmen.

«Was wir im Aussen bewegen, bewegt auch unser Inneres», schreibt Constanze Köpp. Denn die Räume, in denen wir leben, spiegeln unsere Gemüter, Seele und Gefühle wider. Das funktioniert auch andersrum: Räume haben Einfluss auf unser Wohlbefinden. Ist das eigene Zuhause zu voll, fühlt man sich nicht mehr wohl. Mit einem vollen Kopf denkt es sich schliesslich auch nicht gut. Constanze Köpp empfiehlt darum, sich von den unnötigen Dingen im Leben zu trennen – und in ein leichtes und entrümpeltes (Wohn)Leben zu starten.

Weniger ist mehr! Das Einmaleins des Entrümpelns

Das Wohnzimmer

«Das Zentrum des Hauses», wie Köpp so schön sagt. Das Wohnzimmer gilt als Ort der Begegnung und soziales Zentrum. Hier befinden sich Sofa, Fernseher und oft auch ein Esstisch. Mehr braucht ein Wohnzimmer eigentlich nicht. Doch um Individualität und Gemütlichkeit zu schaffen, greifen viele zur Deko. Das kann die Einrichtung zwar abrunden, zu viel des Guten verwandelt das Wohnzimmer aber in eine Abstellkammer. «Haben Sie keine Angst vor Leere», rät Constanze Köpp. Denn auch hier gilt: Weniger ist mehr. Bestücken Sie den Raum nur mit den liebsten Deko-Artikeln und bleiben Sie ihrem Stil treu. Am besten setzen Sie auf eine feste Basis (Möbel, Wand und Boden) und flexible Deko. Kissen, Vasen und Schalen lassen sich beispielsweise ganz einfach durch neue austauschen. Was nicht mehr gebraucht wird, aber kaum abgenutzt ist, kann man weiterverschenken oder auf Flohmärkten verkaufen.

Was schafft Unruhe und harmoniert nicht miteinander? Trennen Sie sich von überflüssiger Dekoration, Kissen und Bildern, die den Raum überladen. Lassen Sie die Möbel wirken und beschränken Sie sich auf ausgewählte Lieblingsstücke.

Der Kleiderschrank

Das Chaos gewinnt hier schnell die Oberhand. Man verfällt Schnäppchen und tut sich beim Entrümpeln schwer. Jeder hat Kleidungsstücke, die noch nie angezogen wurden, weil sie zu nichts passen, zu gross oder zu klein sind. Augen zu und durch: Räumen Sie alle Kleider aus dem Schrank, putzen Sie diesen gründlich und widmen Sie sich dann Ihrer Garderobe. «Habe höchstens 15 Dinge in deinem Schrank, aber die von top Qualität!», riet eine Freundin Constanze Köpp. Natürlich müssen Sie beim Entrümpeln nicht so radikal sein und der Schrank wird sich mit der Zeit auch wieder füllen. Behalten Sie jedoch immer im Hinterkopf, was Sie brauchen und verzichten Sie auf alles andere – selbst wenn vom Schaufenster aus verführerisch ein Sale-Schild winkt.

  • Legen Sie Wert auf Qualität statt Quantität und schaffen Sie eine Basis an hochwertigen Kleidungsstücken, die Sie wirklich gerne tragen.
  • Entsorgen Sie alte Drahtbügel, Staubwolken und Überflüssiges. Zu viele Stücke erschweren das richtige Kombinieren und sie verlieren bald den Überblick.
  • Verkaufen Sie aussortierte Kleidung oder verschenken Sie diese an Freunde.

Das Bücherregal

Hier trifft Goethe auf Kafka und Shakespeare auf Molière. Im Bücherregal befinden sich Lexika, Ratgeber und Romane. Gerade hier fällt das Loslassen schwer. Wer weiss, vielleicht hat man irgendwann wieder Zeit für eine Irrfahrt mit Homers Odyssee? Doch auch hier gilt: Was brauchen Sie wirklich und von was sollten Sie sich trennen? Spätestens wenn Sie die Bücher horizontal in einer zweiten Reihe stapeln, sollten Sie das Regal dringend entrümpeln. Wer sich nur ungern von seinen Büchern trennt, den tröstet vielleicht der Gedanke, das Buch in guten Händen zu wissen. Auf Online-Plattformen können Sie Bücher tauschen und viele öffentliche Bibliotheken bieten alten Schmökern ein neues Zuhause an.  

  • Entrümpeln Sie einmal pro Jahr Ihr Bücherregal. Seien Sie kritisch und fragen Sie sich, welche Bücher Sie nicht mehr besitzen oder empfehlen möchten.
  • Falls Sie auf das haptische Erlebnis verzichten können, greifen Sie zu E-Books.
  • Verstauen Sie Bücher auch mal in hübschen Kisten, so entsteht Ruhe und ein ordentlicher Eindruck.

Die Küche

Die Küche zählt zu den beliebtesten Plätzen: Hier wird gemeinsam gekocht und geplaudert. Doch auch die sie sollte vom Entrümpeln nicht verschont bleiben. Denn hier können sich Lebensmitteln sammeln, die bereits abgelaufen sind, Utensilien, die sich oft zweifach in den Schubladen stapeln, oder Kaputtes, das längst aussortiert werden sollte. Doppelt, dreifach, vierfach: Braucht man von allem wirklich so viel? Seien Sie auch in der Küche gnadenlos und befreien Sie sich von unnötigem Ballast.

  • Verstauen Sie Plastik-Utensilien in den Schränken und holen Sie schöne Stücke aus Keramik hervor.
  • Sortieren Sie abgelaufene Lebensmittel aus und besorgen Sie sich hübsche Kisten für den Schrank, in denen Sie angebrochene Tüten verstauen.
  • Befreien Sie Ihren Kühlschrank von Zetteln und Überflüssigem, welches Unruhe schafft.
  • Holen Sie Obst und Gemüse aus Ihren Verpackungen und drapieren Sie diese auf einem schönen Teller.

Das Arbeitszimmer

Ein grosses Arbeitszimmer ist heute oft nicht mehr nötig. Meistens reicht ein kleiner Schreibtisch oder Sekretär im Wohn- oder Schlafzimmer – der Laptop nimmt nur wenig Platz ein und kann auch in Küche, Wohnzimmer oder Garten zum Einsatz kommen. Wer jedoch Homeoffice betreibt, sollte Büro- und Wohnbereich klar voneinander trennen, empfiehlt Constanze Köpp. Denn wenn sich das Büro im eigenen Zuhause ist, muss man auch räumlich Abstand zur Arbeit finden.

  • Trennen Sie den Wohn- und Arbeitsbereich optisch voneinander.
  • Vestecken Sie Regale mit vielen Ordnern hinter Vorhängen. Auch ein Raumteiler eignet sich hierfür gut.

Das Badezimmer

Dem Bad wird oft wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Doch gerade hier lauern Fallen: Cremes für Hautprobleme jeder Art, verschiedenste Duschgels, Shampoos gegen Schuppen oder Haarausfall und im besten Fall noch eins für mehr Volumen. All das türmt sich dann in den Schränken, Schubladen und Ablageflächen. Beim Entrümpeln sollten Sie also wirklich nur das Nötigste behalten. So verwandeln Sie ein gewöhnliches Bad in Ihre eigene Wellness-Oase.

  • Braucht es wirklich drei verschiedene Shampoos? Heutzutage gibt es 3 in 1 Produkte, die auch ihren Zweck erfüllen. Den frei gewordenen Platz können Sie mit schönen Kerzen schmücken.
  • Vorräte, Putzzeug und Arznei lassen sich gut in den Unterschrank des Waschbeckens verstauen.
  • Befreien Sie Hygieneartikel, wie Wattestäbchen oder -pads, aus ihrer Plastikverpackung und drapieren Sie diese in schönen Behältern. Auch Badeöle und Seife kann man ganz leicht in schöne Flakons oder Fläschchen füllen.

Den Ballast abwerfen

«Entrümpeln Sie!» ist leichter gesagt als getan. An vielen Dingen haften Erinnerungen, von denen man sich nicht trennen kann oder möchte. Schöne Momente gibt es aber in jedem Augenblick, sie alle einzufangen ist gar nicht möglich, glaubt Constanze Köpp. Lieblingsstücke dürfen durchaus bleiben. Sie machen den Wohlfühlfaktor aus. Doch der Rest sollte mit gesundem Menschenverstand aussortiert werden. Ausserdem werden Sie sich besser fühlen, wenn der ganze Ballast abgeworfen ist. Der letzte Rat lautet daher: Geniessen Sie das Wegschmeissen!

«Aufgeräumt leben – Warum weniger Haben mehr Sein ist» von Constanze Köpp

Constanze Köpp ist Wohn-Coach und Autorin. In ihrem Buch thematisiert sie mit viel Witz und Humor das Problem des materiellen Überflusses und fordert zum Entrümpeln auf.


Text: Ching Guu / Fotos: Thomas Northcut, Photodisc, Thinkstock

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